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FÄLLT AUS! „Glückssuche und Abwehrzauber: Japans Tempel und Schreine als Supermärkte für diesseitige Heilsversprechen?“

Vortrag von Dr. Inga Streb

im Haus der Geschichte

Willy-Brandt-Allee 14, 53113 Bonn

ACHTUNG! DIESEVERANSTALTUNG FÄLLT AUS FAMILIÄREN GRÜNDEN AUS!

Im heutigen Japan scheint eine Teilnahme am religiösen Leben hauptsächlich auf den Erwerb von „Diesseitigem Nutzen“, dem sogenannten „genze riyaku“ gerichtet zu sein. Vor den Verkaufsständen der Tempel und Schreine drängen sich die Gläubigen, um ihrem Gebet vor der Gottheit mit dem Kauf eines Amuletts gehörig Nachdruck zu verleihen. Das Angebot für die Hilfesuchenden ist groß und reichhaltig, sodass vor Ort oder auch online für fast jede Katastrophe und jedes Zipperlein ein Hilfsmittel zu erwerben ist: Sei es für die Bitte um einen „Schnellen Tod“, die Abwehr von Demenz oder die Befreiung von Hämorriden. Der Buchhandel unterstützt - oder befeuert - mit Magazinen und handlichen Buchausgaben diesen Trend. In Japan hat es schon vor Jahrhunderten Handbücher für den frommen Pilger und spezielle Reiseführer zu den einschlägigen heilsversprechenden Orten und deren „diesseitigem Nutzen“, gegeben. Der jetzige Boom ist jedoch erst seit einigen Jahren zu beobachten. Die heutigen Titel kreisen um die Schlagworte „Amulette“, „Horoskope“ und „Kraftorte“ und bieten dem Leser beispielsweise „Spaziergänge zu den „diesseitigem Nutzen“ in Tokyo“ (Tōkyō goriyaku sanpo) an, oder nennen „Die 151 besten Schreine für die Erfolgreichen“. Im Vortrag soll in einem Überblick kurz die Entwicklung der relevanten Reise- und Pilgerliteratur vorgestellt werden. Im Mittelpunkt stehen jedoch die Erfahrungen und Bilder einer Reise (Herbst 2018) zu zahlreichen Tempeln und Schreinen, die als Quelle und Hüter von speziellen oder einzigartigen Heilkräften berühmt oder auch berüchtigt sind. Nicht zuletzt stellt sich zudem die Frage, welchen Stellenwert sowohl die junge wie die ältere Generation diesen Aktivitäten in ihrem Lebensentwurf beimisst.

 

Dr. Inga Streb Studium der Japanologie (Schwerpunkt Japanische Sprache und Literatur), Sinologie und der Japanischen Volkskunde. Promotion 1976 an der Ruhr-Universität Bochum bei Prof. Dr. Bruno Lewin. Von 1973 bis 1976 und wiederum von 1979 bis 1996 Aufenthalt in Japan. Deutsch- Unterricht an den Universitäten Yokohama Kokuritsu Daigaku (Yokohama National University) und Kokugakuin Daigaku (Kokugakuin University) in Tokyo. Allgemeine und wissenschaftliche Publikationen zu japanspezifischen Themen (erste Buch-Veröffentlichung zusammen mit der Koautorin Mitsue de LaTrobe „Alltag in Japan“, Düsseldorf und Wien 1984). In den beiden letzten Jahren Teilnahme am kôdô- Unterricht der Shinô-Schule in Tôkyô. In den Jahren zwischen den beiden Japan-Aufenthalten Bearbeitung von Alt-Japonica in der Bayerischen Staatsbibliothek München (BSB). Ab 1979 im Auftrag der BSB von Japan aus Ankauf von Alt-Japonica sowie Mitarbeit an verschiedenen Projekten der Staatsbibliothek wie beispielsweise die Katalog-bearbeitung der japanischen Handschriften für die Schatzkammerausstellung „Liebe, Götter und Dämonen“ im Jahr 2008 mit Schwerpunkt „Genji monogatari“. Arbeiten und Vorträge u.a. über die japanische Duftzeremonie (kôdô), die einheimischen Piraten (Murakami suigun) in der Setonaikai (Inlandsee) und Studien zum japanischen sogenannten „Blindenkalender“ (mekura goyomi), einer Sonderform des vormodernen Lunisolarkalenders im Nordosten Japans.

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